Nachhaltigkeit: Outdoor-Firmen verfolgen eine Doppelstrategie

| Outdoor Messe | 02/07/2009 | 1 Kommentar

Friedrichshafen – Nachhaltigkeit und deren Notwendigkeit ist als Thema in der Outdoor-Branche angekommen. Es wird nicht nur besprochen, sondern es bewegt sich auch etwas. Wie weit und wie schnell die Firmen dabei voranschreiten, ist jedoch sehr unterschiedlich. Einig ist man sich dagegen beim Anspruch, dauerhafte und langlebige Produkte herzustellen. Zur 16. Auflage der OutDoor (16. bis 19. Juli 2009) bleibt Nachhaltigkeit ein zentrales Messethema.

OutDoorDurch ihre besondere Naturaffinität steht die gesamte Outdoor-Branche im Blickpunkt der ökologischen Diskussion. Hinsichtlich der Handlungsprioritäten oder des Umsetzungsgrades von Maßnahmen geht die Branche jedoch heterogen vor. Für die einen ist der Nachhaltigkeitsgedanke „fundamental und nicht nur kosmetisch, eine Chance und keine Last“, so Claes Broqvist, Leiter Sales und Marketing Europa von Haglöfs. Für andere ist es (noch) ein nachrangiges Thema auf der Prioritätenliste: „Beim Thema Materialauswahl steht für uns als Performance-orientierte Firma immer Haltbarkeit und Funktionalität der Produkte an oberster Stelle“, sagt Reiner Köpf, Verkaufsleiter Deutschland von Arcteryx, der mit dieser Meinung nicht alleine steht.

Den Status Quo der Branche fasst Ken Meidell, Vizepräsident von Cascade Designs treffend zusammen: „Wie alle Produzenten, sind wir von echter Nachhaltigkeit noch weit entfernt. Dennoch haben wir eine gute Startposition allein dadurch, dass wir seit 40 Jahren robuste, dauerhafte und langlebige Produkte herstellen.“

„Langlebigkeit“ ist das eine Schlagwort beim Thema Nachhaltigkeit. „Qualitativ hochwertige Produkte, die lange im Gebrauch sind, werden immer schnelllebigen Produkten, die der Modeentwicklung unterworfenen sind, überlegen sein“, argumentiert Klaus Schmitz von Berghaus Deutschland. Ähnlich sehen es der Deutschlandchef von Fjällräven, Alex Koska, wenn er sagt: „Nichts ist umweltfreundlicher als ein langer Produktlebenszyklus“, oder Peter Schöffel, Inhaber der gleichnamigen Marke: „Die wesentliche Leistung unserer Nachhaltigkeit liegt darin, dass wir sehr hochwertige und damit auch langlebige Produkte herstellen, die um ein Vielfaches an Tagen im Vergleich zu Mode- oder Billigprodukten getragen werden.“

Zur Doppelstrategie gehört aber auch, dass in der Branche Nachhaltigkeitsprojekte angestrebt und umgesetzt werden. Dem „BlueSign-Standard“ haben sich unterdessen schon ein gutes Dutzend Firmen verpflichtet, darunter Hersteller wie Patagonia, The North Face, Vaude, Deuter, Mammut, Haglöfs, Helly Hansen oder Ortlieb. Erfreulich ist auch, dass sich viele Faser- und Materialhersteller dem BlueSign-Prozess angeschlossen haben. Damit fällt es der Industrie leichter, ihre Produktionsprozesse besser dem BlueSign-Standard anzupassen. Außerdem kann so möglichst schnell auf nachhaltig und sicher produzierte Laminate, beschichtete Stoffe, Softshellmaterialien, Fleece oder Web- und Strickwaren zugegriffen werden. Gerade in diesem Prozess differiert das Engagement der Outdoorfirmen enorm.

Patagonia strebt die mittelfristige Umstellung der gesamten Kollektion auf 100 Prozent umweltfreundliche undOutDoorwiederverwertbare Materialien an. „Bisher“, so Holger Bismann, Geschäftsführer Patagonia Europa, „enthalten 61 Prozent unserer Winter-Kollektion 2009 recycelte Materialien, 77 Prozent sind aus e-Fasern und 65 Prozent sind recycelbar.“ Das ist eine Quote, die höchstens noch die sehr viel kleinere Firma Klättermusen aus Nordschweden erreicht. Firmeninhaber Peter Askulv will bis Ende 2010 alle Fluorkarbone aus seinen Produkten verbannt haben. Bei Membranen bedeutete das bereits das Ende von ePTFE, komplizierter ist die Umstellung auf DWR-Imprägnierungen ohne Fluorkarbone. Dazu recycelt Hersteller Klättermusen Teppiche und Fischernetze zu Rucksackmaterialien und setzt für die Bekleidung recyceltes Polypropylen mit einer enormen Wassereinsparung gegenüber Baumwolle ein. „Wir sehen keine funktionellen Nachteile durch unsere Selbstverpflichtung“, sagt Askulv. Bismann würde ihm sicher zustimmen.

Rob Wylie, Geschäftsführer von Osprey Europa, sieht deshalb Vorgaben notwendig. „Letztendlich muss Nachhaltigkeit durch Gesetze von oben erzwungen werden und darf nicht jeder Firma obliegen“, so Wylie, der das Flaschenpfandsystem in Deutschland als vorbildlich ansieht.

Weitere Informationen und das OutDoor-Vortragsprogramm gibt es unter www.european-outdoor.com.

Quelle: PR-Mitteilung von www.european-outdoor.com

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Ein paar Worte zum Autor ()

Seit Jahren interessiert sich Aender für die Neuheiten in den Bereichen Trekking, Outdoor, Bergsteigen, Klettern. Besonders die Innovationen in Sachen technisches Equipment und Funktionalität wissen zu begeistern.

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